Häuser

Zum historischen Ortskern von Bennungen gehören Birkenhof, Rittergut und Kirche. Diese Anlagen waren Anfang der 90er Jahre so stark verfallen bzw. beschädigt, dass teilweise über Abriss nachgedacht wurde.

LEO e.V. erwarb Birkenhof und Rittergut und erstellte ein Nutzungskonzept. Im Laufe der folgenden Jahre wurden die Bauwerke denkmalschutzgerecht wieder aufgebaut und saniert.

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Das Rittergut: Von der Ruine zum Gästehaus 1993 – 1999

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(Bild oben) 1993: Das Rittergut in Bennungen, das älteste erhaltene Bauwerk des Ortes, war schon längere Zeit von rasant fortschreitendem Verfall bedroht.
Das ehemalige Herrenhaus, dessen Bausubstanz teilweise bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht, wurde vermutlich ursprünglich als Tafelgut der nahegelegenenen Pfalz zu Tilleda angelegt und findet historisch auch in Verbindung mit dem großen thüringischen Rittergeschlecht der Adelsfamilie von Bennungen Erwähnung.
Im 19. Jahrhundert bekam das Rittergut als Geburtshaus des Botanikers und Pharmazeuten Heinrich Carl Haussknecht (*30.11.1838 in Bennungen; † 7. Juli 1903 in Weimar) für die Dorfgemeinde Bennungen eine besondere Bedeutung. Prof. Haussknecht forschte auf seinen Reisen, legte umfangreiche Herbarien und Sammlungen an, die heute zu den 20 größten weltweit gehören. U.a. wurde die Pflanzengattung „Haussknechtia Boiss“ in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) nach ihm benannt. Haussknecht war Mitglied der der Akademie der Naturforscher Leopoldina. Die umfangreiche Sammlung ging nach seinem Tod in die – von seiner Frau und seiner Tochter gegründete – Stiftung „Herbarium Haussknecht“ über. Eine Ausstellung zu seinem Leben und Werk kann in der Jenapolis besucht werden. Im Zusammenhang mit Forschungen der Universität Jena wurde auf der Straßenseite des Rittergutes Bennungen 2013 eine Gedenktafel zu Ehren Haussknechts angebracht, die an sein Leben und Werk erinnern.
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Im Laufe der Jahrzehnte schritt aber der Verfall des Hauses so weit fort, dass 1993 das Schicksal des alten Rittergutes besiegelt zu sein schien. Weil damit allerdings auch ein Stück Dorfgeschichte verloren gegangen wäre, nahmen engagierte Bennunger Bürger mit Zustimmung der Gemeindevertretung und mit Hilfe von 20 000 € Landesförderung die Notsicherung des verfallenen Gebäudes in die Hand. Junge Bennunger halfen im Rahmen eines Projektes, „ihre Rumpelburg“ zu entrümpeln. Arbeit, Lernfeld und Abenteuer zugleich: Während die Jugendlichen viel über Fachwerkbau und Handwerk lernten, machten sie auch so manche Funde, die – sofern historisch interessant – zu einer Ausstellung zusammengetragen wurden.
 
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Als ein heftiger Herbstturm 1993 ein großes Loch ins Dach des Rittergutes riss, griff die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schnell und unbürokratisch ein: Bald schon stand ein Gerüst am bedrohten Westgiebel, und Dach und Fachwerk wurden erneuert.
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Bild oben: Rittergut im Januar 1994 mitten im Bauprozess,
inzwischen mit geflicktem Dach und Gerüst für weitere Arbeiten.
Bild oben: Im Frühjahr 1994 wurde das neue Eichenholzfachwerk am Westgiebel eingebaut. Damit war der Bauabschnitt „Notsicherung Rittergut“ abgeschlossen.
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Bild oben 1995: Mit Fördermitteln der Dorferneuerung konnte das Dachtragewerk durch eine regionale Zimmerei in Ordnung gebracht werden. Auch das Dach wurde sorgfältig gedeckt. Die ABM-Gruppe half mit Assistenz- und Aufräumarbeiten. Nun konnte der Bau am Rittergut – winterfest gemacht – bis auf kleinere ehrenamtliche Baueinsätze ruhen.
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Bild oben: Im Sommer 1997 ging es dank einem neuen Finanzzuschuss der Deutschen Stiftung Denkmalschutz weiter, die das Material für den nächsten Bauabschnitt  finanzierte! So konnten beim Leo-Sommercamp in einem nächsten Schritt das Fachwerk mit Lehmsteinen ausgemauert werden. Das bedeutete für die fleißigen Helferinnen und Helfer u.a. „Lehmmörtel treten“, Steine schleppen und kräftig mithelfen, damit es vorwärts gehen kann. Und: Wieder was Neues über Fachwerkbau gelernt!
Der Giebel wurde 1997 geschlossen. 1998 wurde das Rittergut verputzt und bis 1999 war der Außenbau abgeschlossen! Auch das Gelände konnte nun beräumt werden und wurde mit ABM-Kräften ordentlich hergerichtet, die alte Mauer wurde saniert und ein neues Hoftor eingesetzt.

Zu Beginn der Jahrtausendwende nahm der Innenausbau noch mal viele Gedanken zur Ideenentwicklung, Zeit und Kraft in Anspruch. Die nötigen finanziellen Mittel zur Umsetzung kamen aus verschiedenen Quellen, z.B. vom Dorfentwicklungsprogramm Sachsen-Anhalt, Lotto Toto, Eigenmittel…

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Bild oben: Rittergut 2014, Eingang Hofseite. Heute befinden sich im Rittergut eine Einliegerwohnung, zwei Vierbett – Gästezimmer, eine Gästewohnung mit 3 Schlafzimmern und einem großen Wohnzimmer und das Kaminzimmer, welches gern für kulturelle Anlässe und als Seminarraum für Freizeiten oder Bildungsveranstaltungen genutzt wird.

Bild oben: Rittergut 2018, nach erneuten Giebelreparaturen 2017, um das Fachwerk wetterfester zu machen.

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Bild oben: Blick ins Kaminzimmer mit Flügel und Bibliothek (1. Etage)

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Bild oben: Die Gästewohnung mit 4 Zimmern bietet Platz für 9 Personen (Erdgeschoss)

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Bild oben: Einblicke in zwei Zimmer der Gästewohnung

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Weiter im Bau: Der „Birkenhof“- heute Werkstatt, Küche, Seminar- und Speiseraum

Der „Birkenhof“ verdankt seinen Namen einer hohen Birke, die das Außengelände ziert.

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Bild oben: Das Fachwerk des angrenzenden Schuppens wurde im Rahmen eines vereinsinternen großen Jugendprojektes unter der Leitung von Ulrich Sieblist nach einer historischen Technik mit Weidenruten ausgeflochten und anschließend mit Lehm verschmiert.

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1999 kooperierte Leo e.V. erstmals mit dem CJD (Christliches Jugenddorfwerk Sangerhausen), da sich eine Zusammenarbeit durch die gemeinsamen Methoden anbot (praktische Bautätigkeit zur Ausbildung von Jugendlichen, die aus sozialen Gründen benachteiligt sind). Gemeinsam mit dem CJD wurde unter der Überschrift „historische Handwerkstechniken in Fachwerkhäusern“ ein Lehrprojekt entwickelt und durchgeführt, das zugleich praktisches Wissen vermitteln und den Bau im Birkenhof weiterbringen sollte. Weitere Lehrprojekte schlossen sich an. In diesem Zusammenhang wurde auch der Holzbackofen in die Küche eingebaut, der später in Ernährungsworkshops und -seminaren zum Einsatz kam.

Bild oben 2014: Heute befinden sich im Birkenhof eine Einliegerwohnung (links oben, 1. Etage) sowie eine einfache Küche mit Brotbackofen, Speise-, Seminar- und Gästezimmer (Erdgeschoss). Die angrenzende Kreativwerkstatt (rechts) wird von Gruppen für schöpferisches Gestalten zur Kreativitätsförderung und zur Freizeitgestaltung genutzt.

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Seminarraum

Vom Wohnbereich des Birkenhofes aus (1. Etage) überblickt Frau Schmidt-Brücken als Hausmutter die Vereinsräume, pflegt mit großer Sorgfalt den Garten und führt das Gästebuch. Ohne die treue, ehrenamtliche Pflege durch Frau Schmidt-Brücken wäre der Birkenhof längst nicht so schön.

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